Regenfälle vom vergangenen Wochenende - Was tut die Stadt Metzingen für den Hochwasserschutz? 


Auch am vergangenen Wochenende hat es in Metzingen, Neuhausen und Glems kräftig geregnet. Zu größeren Schäden ist es zum Glück aber nicht gekommen. Dazu tragen verschiedene Maßnahmen dabei, die die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten umgesetzt hat.

Hochwasser oder Starkregen?

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat die Hochwassergefahrenkarten erarbeitet. Sie werden regelmäßig aktualisiert. Thema dieser sogenannten HWGK sind die Hochwassergefahren entlang der Gewässer 1. Ordnung (des Landes) und bekannter Hochwassergewässer. In Metzingen sind dies die Erms, der Glemsbach und der Stettertbach. Dargestellt sind die Überflutungsbereiche und deren Stauhöhe bei verschieden starken und bis zu extremen Abflussereignissen. Die Karten sind für jedermann auf der Homepage der LUBW einsehbar. Sie sind detailliert bis hin zu einzelnen Grundstücken. Für die Stadt Metzingen geben sie wichtige Entscheidungshilfen bei der Priorisierung von Renaturierungs-, Schutz- und Retentionsmaßnahmen vor.

Hochwasserschäden können aber auch abseits der Gewässer entstehen, wenn starke Regenfälle auf die Erdoberfläche abregnen (Beispiele aktuell in der Eifel, in Zainingen, früher auch schon in Pfrondorf und 2008 oberhalb Glems mit 67 l/m² innerhalb 75 Minuten).

Starkregenrisikomanagement der Stadt Metzingen

Die Stadt Metzingen hat in diesem Zusammenhang das „Starkregenrisikomanagement“ (kurz: SRRM) in Auftrag gegeben (Förderung 75 % durch das Land). Nachdem neue Vermessungsdaten im Frühjahr 2021 durch das Landesamt für Geoinformationen vorgelegt worden waren, konnte die sehr umfangreiche Berechnung erfolgen und in Karten dargestellt werden. Die Karten zeigen für unterschiedliche Regenstärken, in welchen Bereichen, in welcher Richtung und in welcher Überstauhöhe diese oberflächigen Hochwässer zu befürchten sind. Die Karten sind derzeit in der Phase der Plausibilisierung und werden mit der städtischen Feuerwehr, dem Baubetriebshof und weiteren berührten Stellen detailliert durchgegangen. Nach dieser Plausibilisierung ist eine Informationsveranstaltung für alle Bürger eingeplant. Nach dieser Information und Diskussion mit der Bürgerschaft können resultierende Erkenntnisse noch eingearbeitet werden. Zum Abschluss werden auch die Karten auf der Homepage der Stadt Metzingen zugänglich gemacht. Auch hier kann jedes einzelne Grundstück erkannt werden.

Ziel des SRRM ist es, dass zum einen jeder Grundstücksbesitzer die Gefahren für sein Grundstück ersehen kann und des Weiteren die von ihm selbst machbaren und zu realisierenden Maßnahmen erfahren kann. Dies können zum Beispiel Bodenmodellierungen, Mäuerchen, Lichtschachterhöhungen, Spundwände vor Türen sein. Oder auch das Verbringen empfindlicher oder wertvoller Gegenstände in höherliegende Räume.

Zum anderen werden der Stadt Metzingen die sinnvollen und machbaren Problemstellen aufgezeigt, woraus sich ein Maßnahmenkatalog ableitet. Dabei stehen sowohl organisatorische Schritte als auch bauliche Maßnahmen an. Die Einsatzpläne der „Blaulichtrunde“ (Feuerwehr, Polizei, Baubetriebshof , ggf. THW) werden ebenfalls hierauf abgestimmt.

Städtisches Wehr am Freibad

Das städtische Wehr am Freibad wurde automatisiert, denn es regelt den Zufluss des Lohmühlekanals. In diesen Kanal mündet auch der Buchbach (hinter dem Duderstadtgelände). Die bisher händisch betrieben Fallen (drei Stück) wurden mit elektrischen Antrieben versehen. Das Heben und Senken der Fallen wird durch ein entsprechendes Programm berechnet. Die dafür erforderlichen Daten erhält der Rechner von Pegeln, die an der Salonkreuzung, am Zusammenfluss von Glemsbach und Tiefenbach, am Lohmühlekanal und am Buchbach (Retentionsraum am Trimmdichpfad-Parkplatz) angebracht sind und permanent Daten liefern. Diese Daten werden pausenlos erhoben und an den Rechner gesendet. Diese und die Aktivität der Fallensteuerung werden pausenlos gespeichert. Für den äußersten Notfall kann weiterhin händisch eingegriffen werden. Die Wehrsteuerung kam bereits mehrfach zum Einsatz bzw. wurde bereits mehrfach aktiv. Somit konnten Hochwasserprobleme rund um den Lohmühlekanal abgewendet werden. Die Erms ist in diesem Abschnitt des Kanals glücklicherweise in der Lage auch 100jährige Abflussereignisse aufzunehmen.

Weitere umgesetzte Maßnahmen der Stadt

Darüber hinaus hat die Stadtverwaltung in den letzten Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt. Die wichtigsten Beispiele sind etwa:

  • Spalerbach auf Amtäcker (um das Jahr 2000)
  • Saulbach (zusammen mit Dettingen) im Bereich der Gemarkungsgrenzen
  • Glemsbach in der Ortsmitte Glems (ehem. Milchhäusle)
  • Glemsbach im Bereich Klosterstraße (Neuhausen)
  • Korrenbach oberhalb der Bahnlinie
  • Buchbach am Trimm-Dich-Pfad-Parkplatz sowie oberhalb im Wald
  • Stettertbach Flutmulde B 312
  • Stettertbach Wasserführung am Feldweg zwischen CarlZeiss-Straße und Eitental (Nollenwald)
  • Brühlbach im Park am Altenheim

Die in der Vergangenheit öfters auftretenden Hochwasserschäden insbesondere am Saulbach, Spalerbach, Buchbach und Glemsbach konnten durch die baulichen Maßnahmen bisher komplett vermieden werden.

Anmerkung: RÜB haben hydraulisch gesehen keinen Einfluss auf Hochwasserretention. Sie sind nicht für die Schadenabwehr durch Hochwasser wichtig, sondern für die Vermeidung von Schmutzwässern in die natürlichen Gewässer.

Weitere zukünftige Maßnahmen der Stadt

Aus der HWGK, dem SRRM und nicht zuletzt aus den Ortskenntnissen sind noch mehrere Maßnahmen abzuleiten und werden bereits von der Stadtverwaltung geplant. Wichtig ist dabei immer auch, dass die Grundstückseigentümer mitmachen. Die Mitwirkung der Grundstückseigentümer ist so vielfältig, wie das wahre Leben: manche machen begeistert mir, andere sträuben sich. Das Freilassen der Ufer und die Respektierung des Gewässerrandstreifen ist leider eine Daueraufgabe der Stadtverwaltung.

Was können Bürgerinnen und Bürger beitragen?

Hochwasserschutz ist eine Daueraufgabe und die Mitwirkung der Grundstücksbesitzer ist notwendig, insbesondere innerhalb der Ortslagen, da hier die Stadt nur sehr eingeschränkt Eigentum hat. Außerdem ist vor allem an Engstellen zu arbeiten und nicht beliebig in der Feldflur (wo auch meist Private das Eigentum haben). Es muss dort gearbeitet werden, wo es Sinn macht. Und: Jeder Grundstücksbesitzer ist auch selbst für Maßnahmen gegen Unwetterschäden verantwortlich. Auf das Wassergesetz BW sei hingewiesen. Hochwasserschutz ist nicht nur Sache der Kommunen, sondern jedes Einzelnen.