50. Todestag von berühmten Metzinger Maler Fritz Sprandel


Vor 50 Jahren, am 20. August 1971, verstarb der Metzinger Maler Fritz Sprandel. Seine Werke finden sich nicht nur in den Haushalten zahlreicher Metzinger Bürger, sondern auch im Sprandelzimmer, dass die Stadt Metzingen in einem Raum des Alten Rathauses eingerichtet hat

"Seine Bilder sind musikalische Gedanken, Empfindungen, Kompositionen, umgesetzt und verwirklicht in Farbe und Form", sagte einmal ein Bewunderer seiner Werke. Seinen Zeitgenossen galt er als „Meister der Farbbehandlung“, als hochmusikalischer „Komponist in Licht und Farben“ und als Künstler, dessen Gemälde man eher für die eines Franzosen als für die eines Schwaben halten könne.

Fritz Sprandel wurde am 31. März 1883 in Metzingen geboren. Sein Elternhaus war das frühere Hotel Sprandel am Bahnhofsplatz. Nach dem Besuch der Realschule absolvierte Sprandel zunächst eine Kaufmannslehre. Nach einigen Jahren der Berufstätigkeit entschloss er sich 1903 zu einem Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Dresden. Dort widmete er sich jedoch, seinen eigentlichen Talenten folgend, mehr der Malerei und der Musik. Sprandel lernte als Gaststudent an der Kunsthochschule den Impressionismus kennen. In den Dresdner Galerien kam er mit Werken von van Gogh und Munch in Berührung, die der zur gleichen Zeit in Dresden ansässigen Expressionistengruppe „Die Brücke“ wichtige Impulse gaben. Ob Sprandel mit Mitgliedern der Gruppe, der Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel angehörten, Kontakt hatte, ist nicht überliefert.

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Entscheidenden Einfluss auf die künstlerische Entwicklung von Fritz Sprandel übte der Unterricht des lettischen Malers Johann Walter-Kurau (1869-1932) aus. Der Maler und Musiker lehrte eine Art „melodische Lichtmalerei“, die Elemente des Jugendstils, des Impressionismus und später auch des Expressionismus und der abstrakten Kunst eines Wassily Kandinsky in sich vereinte. Von seinen Schülern verlangte er zunächst ein gründliches Studium der Natur, bevor er sie dann an eine gefühlsmäßig freie Bildgestaltung mit rhythmisch stilisierten Formen und leuchtenden Farben heranführte.

Mit 23 Jahren entschloss sich Fritz Sprandel endgültig, Maler zu werden. Er brach er nach Frankreich an die Côte d’Azur auf, um sich im Ursprungsland der modernen Malerei weiterzubilden. So setzte er sich mit der Freilichtmalerei des Impressionismus und der farbintensiven Malerei des Fauvismus auseinander. Von Monte Carlo aus unternahm er zahlreiche Kunstreisen, die ihn nach Italien, in die Schweiz, nach Wien, Berlin und Kopenhagen führten. In Paris, wo er sich ebenfalls einige Zeit aufhielt, absolvierte er zusätzlich noch eine Ausbildung zum Konzertpianisten. Seinen Lebensunterhalt bestritt er durch den Handel mit Schmuck.

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Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte Sprandel nach Metzingen zurück. Allerdings wurde er aus gesundheitlichen Gründen nicht eingezogen und hielt sich während des Krieges in der Schweiz auf, wo er sich mit den Gebirgslandschaften von Ferdinand Hodler beschäftigte. Während eines Kuraufenthalts im Oberengadin entdeckte Fritz Sprandel die Schönheit der Graubündener Bergwelt für sich. Die Bergmassive und Gletscher, die schneebedeckten Gipfel und die spiegelnden Wasserflächen der Seen um Silvaplana faszinierten ihn und nahmen künftig in seinem Werk eine zentrale Stellung ein. Bis 1931 suchte er fast jährlich das Oberengadin auf. Um 1922 ließ sich Sprandel wieder in Metzingen nieder und zog in das Kutscherhaus des Hotels, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte. Da er aus seinem Anteil am Hotel nur eine kleine Rente erhielt, verdiente er seinen Lebensunterhalt seit den 1930er Jahren vor allem als Privatlehrer für Fremdsprachen.

Die 1920er Jahre waren seine fruchtbarste Schaffensphase. So bereicherte er sein Themenrepertoire neben den Engadinlandschaften mit Ansichten von Wäldern, Waldwegen und Flussläufen der Schwäbischen Alb in der Umgebung von Metzingen. Damals präsentierte er sein Werk in Ausstellungen verstärkt in der Öffentlichkeit. Daneben engagierte er sich als Pianist auch auf musikalischem Gebiet. Im Dritten Reich wurde es rasch still um ihn. Er stellte nicht mehr aus und malte auch kaum noch. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Künstler in sehr bescheidenen Verhältnissen. 1955 besuchte er nochmals das Engadin und verarbeitete die Eindrücke in seinem Spätwerk. Altersbedingt ließ seine Schaffenskraft in den 1960er Jahren mehr und mehr nach.

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Fritz Sprandel malte vor allem Landschaften und Stilleben, wobei ihm immer der Zusammenklang der Farben und Formen unter Einwirkung von Licht und Schatten wichtig war. Seine Bilder sollten dem Betrachter Stimmungen vermitteln, hinter die das Motiv zurücktrat. So sind viele Dinge nur angedeutet, überlagert von einer starken, nicht immer harmonischen Farbigkeit. Neben der Malerei wandte sich Sprandel auch der Musik zu. Die Musikalität schlug sich auch in seinen Bildern nieder, sie hat oft die Komposition und die Farbgebung seiner Werke bestimmt.  Der befreundete Komponist Hugo Herrmann sagte einmal: "Sprandels Bilder sind Kompositionen, nach denen ich Musik machen könnte."

Hinweis: Das Sprandelzimmer des Alten Rathauses kann aufgrund der Corona-Pandemie nur nach Voranmeldung besichtigt werden. Bitte melden Sie sich unter der Nummer 925-343 entsprechend an. Bilder von Fritz Sprandel sind derzeit auch im Schaufenster der Buchhandlung Osiander zu sehen.