Metzinger Schulen setzen voll auf Digitalisierung


„Digitalpakt“, „Sofortausstattung“, „Laptops für Schüler und Lehrer“ – solche und viele weitere Schlagworte haben in den letzten Monaten das Thema Digitalisierung an unseren Schulen geprägt. Sie alle haben zwar mit der Digitalisierung zu tun. Trotzdem meinen sie aber immer nur einen überschaubaren Teilbereich von einem deutlich weitergehenden Thema.

Mit solchen Schlagworten und Teilaspekten allein wollte die Stadt Metzingen die Digitalisierung der Metzinger Schulen nicht anpacken. Schon lange vor Corona war den Verantwortlichen bewusst, wie wichtig der sichere Umgang mit digitalen Medien für Schülerinnen und Schüler ist – sowohl in der Schule, als auch später im Berufsleben. Deswegen arbeitet eine eigens geschaffene Projektgruppe aus IT-, Organisations-, Schul- und Gebäudeexperten der Verwaltung bereits seit längerem mit voller Kraft daran die richtigen Weichen für die digitale Gegenwärt und Zukunft der Metzinger Schulen zu stellen. Auch die Schulleitungen und die für IT verantwortlichen Lehrkräfte sind dabei stets an Bord.

„Uns war es besonders wichtig, eine umfassende Lösung für alle Metzinger Schulen zu schaffen“, erklärte Ralph Deschler von der IT-Abteilung der Stadtverwaltung. Was er damit konkret meint, wird schnell beim Vor-Ort-Besuch in der Neugreuthschule deutlich: So wurde etwa die Netzwerkverkabelung im Schulgebäude erneuert. Das schulische WLAN wurde auf Stand gebracht und die Schule erhielt eine neue Telefonanlage. Deschlers Kollegin, die städtische Orga-Expertin Tanja Heuser, weiß genau, warum diese Maßnahmen für die Digitalisierung der Schulen so wichtig sind. „Was nützt mir das beste Laptop oder IPad, wenn ich keine gute Netzinfrastruktur oder Internetanbindung habe, um es in der Schule zu nutzen?“, bringt Heuser den Zusammenhang auf den Punkt.

Eine besonders große Herausforderung vor allem im Neugreuthschulzentrum war, dass ein solch umfassender Um- und Einbau der Netzinfrastruktur nicht neben dem normalen Schulbetrieb möglich ist. Für die Verantwortlichen hieß es also Arbeiten unter Hochdruck in den Sommerferien, nicht selten sogar Tag und Nacht, damit pünktlich zum Schulstart alles bereitsteht und die Schülerinnen und Schüler wieder in den Unterricht starten können. An der Uhlandschule liefen die Arbeiten genauso auf den Punkt und ohne zeitliche Spielräume in den Pfingstferien.

Ähnliche Maßnahmen liefen oder laufen auch noch in den anderen Metzinger Schulen. Dabei ist die digitale Ausganglage vor Ort durchaus unterschiedlich. So hatten manche Schulen etwa schon Geräte wie zum Beispiel digitale Tafeln oder Laptops, andere waren da hingegen noch nicht so weit. Auch die Breitbandanbindung ist ein wichtiger Punkt, wenn es um die Digitalisierung an Schulen geht. In Metzingen sollen spätestens in eineinhalb Jahren alle Schulen über eine Breitbandanbindung verfügen. Im Schulzentrum Neugreuth soll es sogar schon in wenigen Monaten – nämlich im ersten Quartal 2022 – so weit sein.

Bei all diesen und vielen weiteren Maßnahmen sind die Verantwortlichen in Metzingen äußerst bewusst und strukturiert vorgegangen. Statt Schulen etwa nach dem „Windhundprinzip“ auszustatten, galt es zunächst einiges an durchdachter Vorarbeit zu leisten – damit alle sechs Schulen von dem Vorgehen gleichermaßen profitieren können. Die erste Hausaufgabe mussten dabei die Schulen selbst erledigen. Sie hatten sogenannte Medienentwicklungspläne zu erarbeiten. Kurz gesagt, legt jede Schule damit für sich selbst fest, wie und wo künftig elektronische Medien künftige im Unterricht eingesetzt werden sollen.

Gleichzeitig hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit einer externen Fachfirma ein sogenanntes Stadtkonzept IT für die Metzinger Schulen erarbeitet. Mit dem Stadtkonzept wurde festgelegt, was genau es in Sache IT zu tun gibt. Heraus kamen die folgenden sechs wichtigsten Handlungsfelder:

Internetanschluss

Zunächst wurden vorhandenen Anbindungsverträge verbessert mit dem Ziel einheitlich auf mind. 100 bis 200 Mbit zu gelangen. Bis 2023 soll mit der Breitbandverbindung aller Schulen eine Geschwindigkeit von mindestens 500Mbit erreicht werden.

Vernetzung und Verkabelung in den Schulgebäuden

Die Vernetzung und Verkabelung wird so weit verbessert, dass standartmäßig alle Unterrichtsräume mit WLAN und ausreichender LAN-Infrastruktur ausgestattet sind.

Ausstattungsanforderung

Sowohl die Ausstattung bei den Endgeräten (zum Beispiel Laptops) also auch in dem Räumen soll deutlich verbessert werden. Konkret heißt das mehr Endgeräte für die Schülerinnen und Schüler und Präsentationstechnik wie Beamer, digitale Displays und Dokumenten-Kameras in allen Unterrichtsräumen. Allein seit dem Frühjahr 2020 sind über 700 Endgeräte neu dazugekommen.

IT-Support

Um die Schulen bei technischen Problemen oder Beschaffungen zu unterstützen, hat die Stadtverwaltung als Schulträger ein zentrales Team eingerichtet.

Beschaffung

Die Beschaffungen wurden vereinfacht, weil sie nun einheitlich erfolgen und die guten Konditionen von Rahmenverträgen genutzt werden.

Verwaltungsnetz

Mittelfristig sollen die Schulverwaltungsnetze an die Stadtverwaltung angebunden werden.

Dass all diese Maßnahmen nicht zum Nulltarif zu haben sind, wird auch ohne IT-Fachkenntnisse schnell klar. Allerdings muss Metzingen die Kosten zumindest nicht allein tragen, denn die Stadt erhält insgesamt ca. 1,9 Millionen Euro aus Fördertöpfen von Bund und Land. „Der sichere Umgang mit digitalen Medien ist für unsere Kinder eine der wichtigsten Qualifikationen. Das ist schon heute so und wird in Zukunft auch noch wichtiger werden. Deswegen nehmen wir hier richtig Geld in die Hand, um unsere Schulen fit für die Zukunft zu machen“, betonte Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh.

Bild Digitalisierungstermin