Beschreibung

Metzingens kleinster Stadtteil Glems mit seinen etwas über 1.000 Einwohnern liegt in einem Seitental des Ermstales, eingebettet in Streuobstwiesen und Wald. Das bis zur Gemeindereform 1974 ehemals selbständige Glems ist rund 5 Kilometer von der Kernstadt entfernt.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war der Ort überwiegend landwirtschaftlich geprägt, was den dörflichen Charakter auch heute noch positiv beeinflusst. Glems ist mit einigen hauptberuflichen Landwirten bislang noch in der glücklichen Lage, eine nachhaltige Landschaftspflege und standortnahe Versorgung mit Produkten aus der regionalen Landwirtschaft gewährleisten zu können. Einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der „Kulturlandschaft am Albtrauf“, den schwierig zu bewirtschaftenden Flächen, leisten dabei die in Glems örtlich ansässigen Schäfer.

Die alten, aus dem 17. Jahrhundert stammenden historischen Gebäude wie die Kirche, das Rathaus und die Kelter sind über Jahrhunderte erhalten geblieben. Mit dem Dorfbackhaus, das auch heute noch regelmäßig genutzt wird, hat Glems ein kleines Juwel aus bäuerlicher Vergangenheit bewahrt. Die Glemser Kelter, ein denkmalgeschütztes Bauwerk, wird als Obstbaumuseum und Mostereibetrieb aktiv genutzt und ein Dorfgemeinschaftshaus lädt zu kulturellen Veranstaltungen und Feiern ein.

Im Zuge der seit dem Jahr 2000 laufenden Ortskernsanierung ist man derzeit bestrebt, die Restaurierung, Modernisierung und Belebung der Dorfmitte weiter voran zu treiben.

Das kleine, jedoch intensive Vereinsleben mit Sport, Musik und Kultur funktioniert ausgezeichnet. Weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist der Trachtenverein Glems mit seinen vielfältigen Aktivitäten. Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren auf gepflegten Wegen rund um den Glemser Stausee und auf die nahe Schwäbische Alb machen Glems zum lohnenden Ausflugsziel.

Lage

Historie

<h3>Der Name Glems</h3>
<p>Der Name Glems ist wahrscheinlich ein keltischer Bachname, der sp&auml;ter auf die Siedlung &uuml;berging. Der Fund eines Reihengr&auml;berfriedhofs beweist, dass die Gr&uuml;ndung der Gemeinde schon sehr fr&uuml;h, vielleicht um 600 n. Chr., erfolgte, und zwar als Tochtersiedlung Dettingens aus, zu dem Glems auch kirchlich bis fast zur Reformationszeit geh&ouml;rte. 1254 findet sich in Urkunden die erste Erw&auml;hnung von Glems als &bdquo;villa Glemse&ldquo; oder &bdquo;villa Glemese&ldquo;.</p>
<p>Um 1260, nach den Tod des kinderlos gebliebenen Grafen Berthold von Urach, kam die Grafschaft Urach &ndash; und mit ihr die Gemeinde Glems &ndash; an das Haus Wirtemberg (W&uuml;rttemberg). Au&szlig;er diesem Geschlecht hatten aber auch mehrere geistliche Herren Besitz in dieses Gegend.</p>
<p>In Glems war es vor allem das Benediktinerkloster in Zwiefalten. Kirchlich geh&ouml;rte die Gemeinde allerdings zu Dettingen. 1495 wurde die Grafschaft Wirtemberg durch das Haus Habsburg zum Herzogtum erhoben. Nach der Vertreibung des ber&uuml;hmten Herzogs Ulrich, 1519, zog das Habsburger Geschlecht das Herzogtum an sich, sollte es aber nicht lange halten k&ouml;nnen. Die R&uuml;ckkehr Ulrichs und die damit gleichzeitig verbundene Einf&uuml;hrung der Reformation in W&uuml;rttemberg 1534 waren ein schwerer Machtverlust f&uuml;r das &ouml;sterreichische Haus.</p>
<p>Die Gemeinde Glems hatte 1518 eine eigene Pfr&uuml;nde f&uuml;r einen Kaplan gestiftet und kurze Zeit sp&auml;ter f&uuml;r eine eigene Pfarrei, dennoch wurde nach 1534 das Dorf der Pfarrei Neuhausen zugeteilt und die eigene Pfarrei aufgehoben. Wiederholtes Bitten um einen eigenen Pfarrer, der allein die obrigkeitlichen Briefe h&auml;tte lesen k&ouml;nnen, halfen nichts.</p>
<h3>Der Drei&szlig;igj&auml;hrige Krieg</h3>
<p>Der Herzog wandelte nach seiner R&uuml;ckkehr auch das Kirchengut in Staatsgut um. Nur der Besitz des Klosters Zwiefalten entzog sich noch &uuml;ber zweihundert Jahre der Macht des Hauses W&uuml;rttemberg. Im Jahr 1618 begann der Drei&szlig;igj&auml;hrige Krieg, der f&uuml;r das ganze Herzogtum sehr furchtbar wurde, besonders als nach der Schlacht bei N&ouml;rdlingen 1634 schwedische und kaiserliche Soldaten &uuml;ber die Alb und ihre T&auml;ler zogen. Alle Gemeinden und St&auml;dte wurden gepl&uuml;ndert und zerst&ouml;rt, die Gemeinde Glems kam jedoch glimpflich davon. Glems ist nach Lage und Art etwas Besonderes im Bezirk. Vom Ermstal aus verbirgt es sich dem Auge hinter weit vorgeschobenen Gel&auml;ndestufen aus fr&uuml;hesten Erdzeitaltern. Deshalb zogen die Soldatenhorden des Krieges unbeachtet an dem Dorf vorbei.</p>
<p>Nirgends sonst haben sich daher so viele alten Familiennamen bis heut erhalten wie gerade in Glems. Ausgedr&uuml;ckt wird diese &ndash; beinahe gl&uuml;cklich zu nennende Lage &ndash; im damaligen Krieg auch durch die Einwohnerzahlen. W&auml;hrend manche Gemeinde v&ouml;llig entv&ouml;lkert wurde, hatte Glems 1634 vor der Schacht bei N&ouml;rdlingen 375 Einwohner, 1652 noch 155. Das war unter den damaligen Umst&auml;nden ein glimpfliches Davonkommen, zumal auch noch die Pest in allen Orten die Bev&ouml;lkerung dezimierte. Die g&uuml;nstige Lage der Gemeinde verhinderte auch das Eindringen der durch das Land zeihenden Truppen w&auml;hrend des Spanischen Erbfolgekrieges zu Beginn des 18. Jahrhunderts und zur Zeit der napoleonischen Kriege am Anfang des 19. Jahrhunderts.</p>
<p>1831 wurde eine r&auml;umliche Trennung von Forst- und Weidewirtschaft verordnet, sodass die Glemser ihr Land bis zur Markungsgrenze in Weide- und Wechselfeld umwandelten, w&auml;hrend der Staat hinter der Grenze Forstwirtschaft einrichtete.</p>
<h3>Industrialisierung</h3>
<p>In vielen D&ouml;rfern und St&auml;dten des Landes zog im Laufe des 19. Jahrhundert die Industrialisierung ein. Glems blieb aber bis 1953 weiterhin haupts&auml;chlich der Landwirtschaft zugeh&ouml;rig. Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert forderten auch von der Gemeinde Glems ihre Opfer. So mancher Einwohner des Ortes kehrte nicht mehr zur&uuml;ck. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Glems erstaunlich entwickelt. Industriebetriebe wurden angesiedelt. Vor allem der Bau des Pumpenspeicherwerkes der Technischen Werke Stuttgart setzte neue Akzente f&uuml;r Verwaltung und Landschaft. Auch die Baulandbeschaffung und Erschlie&szlig;ung wurde stark gef&ouml;rdert. Dadurch stieg die Einwohnerzahl des Ortsteils bis Ende 2017 auf 1.075.</p>

Weitere Stadtteile